Jetzt im Frühjahr des neuen Jahres steht „das Scheiden“ an,das Abschiednehmen am kommenden Ostermontag von der Pfarreiengemeinschaft „Maria an der Sonne“ und von der Gemeinde Hösbach, die mir 8 Jahre lang Lebensmittelpunkt und Wirkungsstätte waren.
Da ist momentan zum Einen das Gefühl der Erleichterung, von der großen Verantwortung wie von der fast ständigen Verfügbarkeit, die der priesterliche Dienst mit sich bringt, entbunden zu werden, und damit auch dem Gespür Rechnung tragend, physisch wie psychisch nicht mehr über die Kräfte zu verfügen, dem gewachsen zu sein. Zum anderen sind diese Tage auch voller Wehmut und Trauer, nicht nur in der Erfahrung bei allen Einsätzen: „das ist ja das letzte Mal“, sondern auch von der Aufgabe und Berufung meiner letzten 40 Lebensjahre , mit der ich mich Gott vertrauend betraut wusste und mit Leidenschaft identifiziert habe, Abschied zu nehmen.
Dieses Beenden ist zu aller erst von meiner Seite mit einem Bedanken verbunden. Wem dieser Dank zu aller erst gilt, das soll deutlich werden mit der Feier der Eucharistie ( = Danksagung), mit dem Dank an Gott in der Glaubensfeier am Ostermontag. Zu diesem Gottesdienst darf ich auch in meinem Namen ganz herzlich einladen.
Nach der geistlichen Feier (ca. 1 ½ Stunden) ist ja beim anschließenden Stehempfang im Pfarrsaal bzw. auf dem Vorplatz des Pfarrheimes ,die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung.
Schon jetzt aber möchte ich danken für 8Jahre geteilten Lebens und Glaubens, dem mir entgegengebrachten Vertrauen in meiner seelsorglichen Tätigkeit, für schöne Momente ausgelassenem Feierns, wie für Erfahrungen, wo ich in meiner Tätigkeit auch im Leid- und Sorgenvollen ins Vertrauen gezogen wurde, für alle fruchtbare Zusammenarbeit mit hauptamtlichen MitarbeiterInnen und ehrenamtlichen Engagierten, ob in notwendigen Verwaltungsaufgaben oder im viel wichtigeren „wachhalten Wollen des Glaubens“, um bei allen Umstrukturierungen, die Kirche nicht nur als steinernes Gebäude, sondern als „Kirche aus lebendigen Steinen“, in unseren Dörfern zu lassen.
Beim Blick über die Kirchtürme unserer vier Pfarrgemeinden hinaus, möchte ich mich auch bei allen AnsprechpartnerInnen bedanken, zu denen unser kirchliches Engagement auch Berührungspunkte hat die politisch Verantwortlichen mit der Verwaltung im Rathaus, Sozial- , Senioren-und Bildungseinrichtungen, die Vereinsfamilien in alles Ortsteilen, die „Blaulichtinstitutionen“, das überkonfessionelle Miteinander, und nicht zuletzt auch die Hilfsbereitschaft von Geschäften, Handwerkern, Unternehmen und sonstigen öffentlichen Einrichtungen.
Den Glauben an Gott wach-, die Frage nach Gott lebendig zu halten, in einer Zeit wo der Glaube keine Selbstverständlichkeit mehr ist, dem diente auch mein Bemühen der ansprechenden Gestaltung gottesdienstlicher Feiern. Auch da gilt mein Dank allen, die in dieser Form zur Schönheit des Glaubens im gottesdienstlichen Geschehen mit ihren Talenten, ihrem Feingefühl und ihrem Einsatz beigetragen haben. Ein besonderes „Danke“ gilt dabei auch den Kindern und Jugendlichen als MinistrantenInnen im Dienst am Altar.
Zum Abschied gehört auch neben allem Dank die Bitte um Entschuldigung bei denen, deren Erwartungen ich als Priester nicht erfüllen konnte, die sich schwertaten mit meiner Art, deren Hoffnungen ich enttäuscht habe, wo ich Verletzungen und Wunden geschlagen habe, die sich deswegen vielleicht auch in welcher Form auch immer, zurückgezogen haben. Mein Abschied bringt ja jetzt auch die Chance mit sich, dass sich da mit einem Nachfolger im Pfarrhaus wieder eine Perspektive eröffnet.
Ein ausdrückliches Dankeschön möchte ich auch an dieser Stelle meiner Hausfrau aussprechen, sie hat nicht nur für einen ansprechenden Lebensstil im Pfarrhaus gesorgt, mir den Rücken wo notwendig freigehalten, war manchmal auch Kummerkasten für Menschen, die Kritik nicht an mich heran tragen wollten und hat ja auch „Feuerwehrdienste“ übernommen, wo niemand anderes für diese Aufgaben im Gemeindeleben zur Verfügung war.
Dass mein Abschied, ursprünglich Anfang des Jahres geplant, nach der Bitte des Bischofs jetzt auf Ostern fällt, hat vielleicht doch einen tieferen Sinn: die Lebensperspektive österlicher Hoffnung die alle irdisch menschliche Begrenztheit weitet, war mir das größte Anliegen im Dienst der Verkündigung, auch in der Vermittlung, dass dies der unaufgehbare Kern christlichen Glaubens ist. Zugleich war es diese österliche Hoffnung, die mich selbst in eigenen Grenzerfahrungen und im Mitleiden solcher Erfahrungen anderer Menschen gehalten und getragen hat.
SeelsorgerInnen kommen und gehen, ER aber der Auferstandene bleibt.
Ich habe mich bemüht, und es war aller Mühe wert ,diesen österlichen Wegbegleiter aufzuzeigen.
„Du musst gar nicht um alle Wege deines Lebens wissen, wenn du nur weißt, dass ER sie mit dir geht.“
Gott befohlen
Ihr Pfarrer
Matthias Rosenberger


